• Bartolini, Riccardo
  • Known name forms: Bartolini, Riccardo Bartholinus, Riccardus Perusinus
  • Born: 1470, died: 1529
  • Riccardo Bartolini stammt aus einer angesehenen italienischen Gelehrtenfamilie, wobei er dem Zweig der Familie angehörte, der in Perugia sesshaft war. Dort wurde er um 1470 geboren. Er studierte, wie er selbst in seinem Testament rückblickend ausführt, in seiner Heimatstadt Theologie, Literatur und v.a. Rhetorik. Richtungsweisend für ihn sollte es werden, dass er in den Jahren 1504 bis 1506 seinen Onkel Mariano Bartolini, einen Nuntius von Papst Julius II., auf einer Gesandtschaftsreise zu Maximilian I. begleiten konnte. Als Mariano bei Maximilian ankam, stand der Ausbruch des bayerisch-pfälzischen Erbfolgekrieges kurz bevor, sodass Maximilian die Wünsche des Heiligen Vaters nicht vorrangig behandeln konnte. Deshalb erhielt Mariano aus Rom den Auftrag, darauf hinzuwirken, dass dieser schwelende Konflikt nicht ausbreche. Mariano wurde somit, wenn auch nur am Rande, in den Konflikt hineingezogen, und er folgte Maximilian zu den verschiedenen Kriegsschauplätzen, mehr oder weniger in die jeweiligen Verhandlungen involviert. Auch sein Neffe Riccardo erlebte die Geschehnisse des Krieges, den er später in seinem Epos Austrias umsetzen sollte, unmittelbar mit. In dieser Zeit (genau im März 1504) lernte Riccardo Bartolini auch den kaiserlichen Sekretär Jakob Spiegel kennen, der ihm später bei der Herausgabe seiner Werke von großer Hilfe war und den ersten Kommentar zum Epos verfassen.

    Nach der Erledigung weiterer Aufgaben für die Kurie kehrten die Bartolinis 1506 nach Perugia zurück. Unmittelbar hier begann Riccardo damit, seinen Plan, Maximilian in einem Nationalepos zu feiern, in die Tat umzusetzen. Stoff für sein Gedicht sollte ihm der für Maximilian erfolgreich zu Ende gegangene bayerisch-pfälzische Erbfolgekrieg sein. Es sollte zehn Jahre dauern, bis Riccardo sein Epos 1516 in Straßburg drucken lassen konnte.

    Ein Jahr nach der Drucklegung der Austrias wird Bartolini in Antwerpen die Ehre zuteil, von Kaiser Maximilian zum Dichter gekrönt zu werden. Hier tritt er auch in Kontakt mit Erasmus von Rotterdam. Dann betreibt Bartolini v.a. im Umfeld des Augsburger Reichstages eine Reihe bedeutender Veröffentlichungen (z.B. offizielle descriptio, Türkenrede). Dies war der Höhepunkt seines Einflusses am Kaiserhof, denn als Maximilian 1519 starb, erloschen auch Bartolinis Möglichkeiten.

    Er kehrte in seine Heimat zurück, wo er 1520 den Lehrstuhl für Rhetorik übernahm. Weiterhin wurde er für Gesandtschaftsreisen herangezogen. Inhaltlich beschäftigte er sich in den Vorlesungen, die er hielt, v.a. mit intertextuellen Fragen: Besonders interessierte ihn nämlich die Vorbildwirkung griechischer Autoren auf ihre römischen Nachfolger, z.B. die Bedeutung, die Homer für Vergil hatte, und wie diese Übernahme im Detail funktionierte. Bartolini starb 1528 oder 1529.

  • Works:

    De bello Norico sive Austrias

    Oratio ad imperatorem Caesarem Maximilianum Augustum ac potentissimos Germaniae principes