• Ertl, Anton Wilhelm
  • Known name forms: Anton Wilhelm Ertl Anton Wilhelm Ertel Antonius Guilielmius Ertelius
  • Born: 1654, unknown death year
  • Anton Wilhelm Ertl wurde 1654 als viertes von insgesamt sieben Kindern in München geboren. Sein Vater war der Hofgerichtsadvokat Johann Ertl, die Mutter Maria Lösch. Die drei nach Anton Wilhelm geborenen Schwestern verstarben vermutlich früh, die drei älteren Brüder wurden allesamt Geistliche. Anton Wilhelm schloss 1670 das Jesuitengymnasium in München ab und begann nach dem obligatorischen Philosophiestudium in Ingolstadt um 1673 das Studium der Rechtswissenschaften. Dieses beendete er Ende der 1670er-Jahre mit dem sog. „Lizentiat der Rechte“. Noch während seines Studiums verfasste Ertl Traktate zu juristischen Fragen der Zeit, die noch heute als wertvolle Zeugnisse für die Rechtsauffassung des 17. Jahrhunderts dienen könnten. Ebenfalls während seines Studiums machte er die Bekanntschaft mit seiner zukünftigen Frau Anna Maria Madalena von Zollner, die er vor seinem Studienabschluss heiratete.

    Unmittelbar nach seinem Abschluss kam es zu einer merkwürdigen Begebenheit, die als ,Scheinkonversion’ Ertls in die Geschichte eingegangen ist. Mithilfe des Augsburger Geistlichen Theophil Gottlieb Spizel sowie des Ulmer Theologen Elias Veiel wollte Ertl nämlich heimlich Protestant werden - heimlich deshalb, da eine Konversion im 17. Jahrhundert stets ein gefährliches Unterfangen darstellte. Doch nur vier Wochen nach der offiziellen Übertrittserklärung, die Ertl selbst mit der Begründung einreichte, die römisch-katholische Kirche sei zu oberflächlich, zog er seine Konversion zurück und wurde per kurfürstlichem Erlass einige Tage unter Arrest gestellt.

    Die wahren Motive hinter Ertls Scheinkonversion bleiben bis heute im Dunkeln, möglicherweise brach er sie aber ab, als er die Stelle als kurbayerischer Hofgerichtsadvokat und Hofmarksrichter des Klosters Rottenbuch in Aussicht gestellt bekam. Diese hatte er von 1682 bis 1686 inne und wurde dann bis ca. 1696 Hofmarksrichter des Klosters Steingaden in Wiedergeltingen und anderen schwäbischen Ortschaften. In diesen Jahren verfasste Ertl nicht nur weiterhin juristische Traktate, sondern auch seine drei großen narrativen Werke Relationes curiosae Bavaricae (1685), Chur-Bayerischer Atlas (1687) und Austriana regina Arabiae (1687).

    Als 1690 seine Frau starb, heiratete Ertl erneut - diesmal die Tochter des ehemaligen Kanzlers des Fürststiftes Kempten, Maria Anna Ludovica Kircher. Nur zehn Jahre später sollte auch sie einen frühen Tod finden und Ertl kinderlos hinterlassen. 1705 wurde Ertl schließlich von Kaiser Joseph I. zum Ratsherr von Ingolstadt und zum gemeinschaftlichen Syndikus des Kaisers und der freien Reichsritterschaft in Schwaben ernannt. Daneben blieb er weiterhin als Hofmarksrichter in Bayern tätig, nach 1715 verlieren sich allerdings seine Spuren endgültig.

  • Works:

    Austriana regina Arabiae